Der Montags-Wurm – 19. Oktober 2026
Das Kauderwelsch-Monster
SALVE! Kennst du das? In der Prozessbeschreibung stehen Wörter wie „Prozesskontext“, „Ende-zu-Ende“ und „SIPOC“, und am Ende weiß niemand, wer eigentlich was machen soll. Genau darum kümmern wir uns heute. Denn was kein Mensch versteht, versteht auch keine KI.
Doktor Kuddelmuddel: „Fachwörter sind wie Nebel. Je dichter, desto weniger fragt einer nach.“
1. Aktuelles aus dem Prozessmanagement
Doktor Kuddelmuddel ist stolz. Er hat den Ablauf für Reklamationen aufgeschrieben: 38 Seiten, 14 Abkürzungen, drei Fremdwörter pro Satz. Der neue Kollege liest Seite eins, nickt höflich und ruft dann doch bei Frau Huber an, die das „schon immer so macht“. Und der neue KI-Assistent, der Reklamationen vorsortieren soll? Der versteht das Dokument genauso wenig und sortiert munter falsch.
Da kriecht der Prozesswurm herein, blättert einmal durch und legt die 38 Seiten zur Seite. „Ein Ablauf ist nur dann aufgeschrieben, wenn ihn jemand versteht, der neu ist“, sagt er.
Die Schritt-für-Schritt-Lösung vom Prozesswurm:
Schritt 1: Schreib für den Neuen. Jeder Schritt bekommt ein Tunwort und eine Person: „Teamleitung prüft die Reklamation“ statt „Prüfung erfolgt“.
Schritt 2: Ein Bild statt 38 Seiten. Zeichne den Ablauf auf einer Seite mit Schwimmbahnen: eine Bahn pro Rolle, ein Kästchen pro Schritt. Jeder Pfeil, der die Bahn wechselt, ist eine Übergabe, und dort hakt es meistens.
Schritt 3: Erklär Fachwörter da, wo sie stehen. Ein Wort, das nicht erklärt ist, fliegt raus oder bekommt einen Satz Erklärung direkt daneben.
Der Prozessmanagement-Mehrwert: Neue finden sich schneller zurecht, Frau Huber wird nicht mehr zehnmal am Tag angerufen, und eine KI bekommt endlich eine Beschreibung, mit der sie arbeiten kann.
Doktor Kuddelmuddel: „Eine Seite? Da sieht ja jeder, dass in meinem Ablauf drei Leute dasselbe machen.“
2. Märkte und Nachrichten
Klare Abläufe machen KI erfolgreich: Eine neue Studie von The Hackett Group und dem Prozess-Softwarehaus ARIS vom 1. Oktober 2026 zeigt, dass Unternehmen mit viel Erfahrung beim Beschreiben und Verstehen ihrer Abläufe fünfmal so oft sehr erfolgreiche KI-Ergebnisse melden. Befragt wurden über 200 Führungskräfte großer Konzerne. 86 Prozent sagen: KI-Agenten lassen sich ohne dieses Prozesswissen nicht verlässlich einsetzen. Hier geht es zur Meldung
KI-Agenten arbeiten schon, Regeln fehlen noch: Laut einer Umfrage des Sicherheitsanbieters SailPoint unter 340 Fachleuten, veröffentlicht am 6. Oktober 2026, setzen 79 Prozent der Unternehmen KI-Agenten bereits im Alltag ein. Passende Sicherheitswerkzeuge für diese Agenten nutzen nur 2 Prozent. Hier geht es zur Meldung
Doktor Kuddelmuddel: „Agenten ohne Regeln? Endlich Kollegen, die so arbeiten wie ich.“
3. Zahlen und Erkenntnisse
Diese Zahlen zeigen, warum verständliche Abläufe kein Luxus sind:
Nur 22 Prozent der befragten Konzerne haben einen vollständigen, aktuellen Überblick über ihre Abläufe von Anfang bis Ende. (Quelle: Hackett Group und ARIS, Oktober 2026)
83 Prozent der Unternehmen halten Prozessmanagement für geschäftskritisch. (Quelle: BearingPoint, BPM Pulse Survey 2026, 215 Befragte)
29 Prozent kämpfen mit schlechter Datenqualität, 16 Prozent fehlt das Wissen über KI und Prozessmethoden. (Quelle: BearingPoint, BPM Pulse Survey 2026)
Doktor Kuddelmuddel: „Nur 22 Prozent blicken durch? Dann bin ich ja in bester Gesellschaft.“
4. Sehenswert
Doku-Tipp der Woche: „Gab es früher weniger Papierkram?“ (ARTE, Reihe „Stimmt es, dass …?“)
Bürokratie nervt, und zwar schon seit Jahrtausenden. Die 21-minütige Doku zeigt, dass Papierkram überall dort entsteht, wo Menschen zusammenleben, und dass er eine echte Aufgabe erfüllt. Die spannende Frage für alle, die Abläufe gestalten: Welcher Papierkram hilft, und welcher ist nur Gewohnheit? In der Mediathek verfügbar bis 2. April 2031.
Hier geht es direkt zur ARTE Mediathek
Doktor Kuddelmuddel: „Papierkram ist Kulturerbe. Ich pflege es nur.“
5. Aus der Lernwerkstatt
Diese Woche ist in der Prozesswurm Lernwerkstatt viel passiert, und alles passt zum Kauderwelsch-Monster:
Fachwörter antippen: In jeder Lektion sind schwierige Wörter gepunktet unterstrichen. Einmal antippen, und die Erklärung erscheint.
Nachschlagewerk von A bis Z: 81 Begriffe mit Suchfeld. Die Suche findet auch passende Lektionen und Werkzeuge.
Werkzeugkiste: 20 Werkzeuge für den Arbeitsalltag, jedes mit Anleitung und Vorlage zum Kopieren, zum Beispiel das Schwimmbahn-Bild oder die Bierdeckel-Skizze.
Vorlesen: Jede Lektion liest dir das Handy auf Knopfdruck vor.
Einstufung: Zehn Fragen, zwei Minuten, und du weißt, bei welcher Stufe du einsteigen kannst.
Neu: sechs Lektionen zu KI-Grundlagen und sechs zu den Grundlagen des Prozessmanagements. Jetzt sind es 93 Lektionen.
Passend zum Thema: die Lektion „Prozesse zeichnen: Schwimmbahnen statt Wimmelbild“ aus Stufe A2. Kostenlos und ohne Anmeldung in der Prozesswurm Lernwerkstatt.
6. Song oder Short der Woche
Kurzvideo: Hilfe, wir versinken im Papier. Ein kurzes Stück vom Prozesswurm über Papierberge im Büro, passend zur Doku. Alle Lieder und Videos findest du unter Hören und sehen.
7. Zum Schluss: Ein Satz zum Mitnehmen
„Vollkommenheit entsteht offensichtlich nicht dann, wenn man nichts mehr hinzuzufügen hat, sondern wenn man nichts mehr wegnehmen kann.“
Antoine de Saint-Exupéry, Schriftsteller und Pilot, sinngemäß aus „Wind, Sand und Sterne“ (1939)
Der Prozesswurm nickt: Jedes Wort, das niemand braucht, darf gehen. Doktor Kuddelmuddel ist entsetzt: „Weglassen? Dann bleibt von meinem Ablauf ja fast nichts übrig.“
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